
Gebrauchtes E-Auto kaufen: Worauf Sie wirklich achten sollten
Ein gebrauchtes Elektroauto kann eine günstige Alternative zum Neuwagen sein. Wir zeigen, worauf Sie bei Akku, Reichweite, Ladeleistung, Batteriegarantie und Fahrzeugzustand achten sollten. Elektroauto, E-Auto, Gebrauchtwagen, Elektroauto gebraucht kaufen, Batterie, Akku, Reichweite, Elektromobilität, Batteriecheck, E-Auto Ratgeber
Gebrauchte Elektroautos werden immer interessanter. Viele Modelle, die vor einigen Jahren noch deutlich teurer waren, sind inzwischen zu attraktiven Preisen auf dem Gebrauchtwagenmarkt angekommen. Gerade für Menschen, die in die Elektromobilität einsteigen möchten, kann ein gebrauchtes E-Auto deshalb eine interessante Alternative zum Neuwagen sein.
Allerdings unterscheiden sich einige wichtige Prüfpunkte von denen eines klassischen Verbrenners. Neben Reifen, Bremsen, Fahrwerk und Wartungshistorie rückt vor allem eine Komponente in den Mittelpunkt: die Hochvoltbatterie.
Wer den Zustand des Akkus einschätzen kann und sich vor dem Kauf auch mit Reichweite, Ladeleistung und Garantie beschäftigt, kann viele unangenehme Überraschungen vermeiden.
Der Akku ist beim gebrauchten Elektroauto besonders wichtig
Die Batterie gehört zu den teuersten Komponenten eines Elektroautos. Entsprechend groß ist bei vielen Gebrauchtwagenkäufern die Sorge, dass der Akku nach einigen Jahren bereits stark an Kapazität verloren haben könnte.
Dabei sollte man sich nicht allein auf die Reichweitenanzeige im Fahrzeug verlassen. Auch ein zu 100 Prozent geladener Akku sagt zunächst nichts darüber aus, wie viel seiner ursprünglichen Speicherkapazität tatsächlich noch vorhanden ist.
Ein wichtiger Wert ist der sogenannte State of Health, kurz SoH. Er beschreibt vereinfacht den Gesundheitszustand der Batterie im Vergleich zu ihrem ursprünglichen Zustand.
Hatte ein Fahrzeug beispielsweise ursprünglich eine nutzbare Batteriekapazität von 60 kWh und stehen später noch rund 54 kWh zur Verfügung, entspricht das rechnerisch etwa 90 Prozent der ursprünglichen Kapazität.
Wie aussagekräftig ein solcher Wert ist, hängt allerdings auch davon ab, wie er ermittelt wurde.
Ein Batteriecheck kann vor dem Kauf sinnvoll sein
Vor allem bei älteren Elektroautos oder einem höheren Kaufpreis kann ein professioneller Batteriecheck sinnvoll sein. Prüforganisationen und spezialisierte Anbieter bieten inzwischen verschiedene Testverfahren an.
Manche Systeme lesen hauptsächlich Daten aus dem Batteriemanagementsystem des Fahrzeugs aus. Andere nutzen zusätzliche Messungen während einer Fahrt oder analysieren die Batterie über verschiedene Ladezustände hinweg.
Wer ein Batteriezertifikat vorgelegt bekommt, sollte deshalb nicht nur auf eine einzelne Prozentzahl schauen. Interessant sind auch Prüfdatum, Kilometerstand, verwendetes Testverfahren und die eindeutige Zuordnung zum Fahrzeug.
Ein Batteriecheck ist keine Garantie dafür, dass später keine Probleme entstehen. Er kann aber eine deutlich bessere Entscheidungsgrundlage liefern als die bloße Aussage eines Verkäufers, der Akku sei noch in einem guten Zustand.
Wie viel Reichweite brauchen Sie wirklich?
Beim Kauf eines gebrauchten Elektroautos muss die größte Batterie nicht automatisch die beste Wahl sein.
Wer hauptsächlich kurze Strecken fährt, täglich pendelt und regelmäßig laden kann, kommt möglicherweise auch mit einem älteren Elektroauto mit kleinerer Batterie sehr gut zurecht.
Anders sieht es bei regelmäßigen Langstrecken aus. Hier werden neben der verfügbaren Reichweite auch die Ladegeschwindigkeit und das vorhandene Schnellladesystem wichtig.
Die Reichweitenanzeige eines Elektroautos ist zudem keine feste Größe. Außentemperatur, Geschwindigkeit, Heizung, Klimaanlage, Streckenprofil und Fahrstil wirken sich teilweise deutlich auf den Verbrauch aus.
Gerade im Winter sollte deshalb ausreichend Reserve eingeplant werden.
Auch die Ladeleistung genau prüfen
Bei älteren Elektroautos gibt es große Unterschiede beim Laden. Zwei Fahrzeuge mit ähnlich großen Batterien können sich auf einer längeren Reise völlig unterschiedlich verhalten.
Beim AC-Laden an einer Wallbox entscheidet unter anderem das im Fahrzeug verbaute Ladegerät darüber, wie viel Leistung tatsächlich aufgenommen werden kann. Ein Auto mit einem 11-kW-Onboard-Lader lädt deshalb auch an einer 22-kW-Ladesäule nicht mit 22 kW.
Noch wichtiger kann die DC-Schnellladeleistung werden. Einige ältere Elektroautos laden vergleichsweise langsam oder besitzen gar keine Möglichkeit zum DC-Schnellladen.
Wer regelmäßig längere Strecken fährt, sollte deshalb prüfen, wie lange das jeweilige Modell unter realistischen Bedingungen etwa von 10 auf 80 Prozent benötigt.
Bei einer Probefahrt kann es außerdem sinnvoll sein, einen Ladevorgang zu testen. So lässt sich direkt feststellen, ob Ladebuchse, Verriegelung und Kommunikation mit der Ladesäule problemlos funktionieren.
Batteriegarantie kann beim Gebrauchtwagen wichtig sein
Viele Hersteller geben auf die Hochvoltbatterie längere Garantien als auf das restliche Fahrzeug. Häufig sind diese Garantien an eine maximale Laufzeit, Kilometerleistung und eine bestimmte Mindestkapazität gekoppelt.
Bei verschiedenen Herstellern sind beispielsweise acht Jahre oder 160.000 Kilometer verbreitet. Die genauen Bedingungen können sich allerdings je nach Hersteller, Modell und Baujahr unterscheiden.
Vor dem Kauf sollte deshalb geprüft werden, wann die Batteriegarantie begonnen hat, wie viele Kilometer das Fahrzeug bereits gefahren ist und welche Bedingungen für einen möglichen Garantieanspruch gelten.
Ein niedriger gemessener Batteriezustand führt nicht automatisch zu einem Garantieanspruch. Maßgeblich sind immer die konkreten Garantiebedingungen des Herstellers.
Bremsen, Reifen und Fahrwerk nicht vergessen
Auch ein Elektroauto besitzt klassische Verschleißteile.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen die mechanischen Bremsen. Da Elektroautos einen Teil der Verzögerung durch Rekuperation übernehmen, werden Bremsscheiben teilweise weniger genutzt. Das reduziert zwar den klassischen Verschleiß, kann aber Korrosion begünstigen.
Auch Reifen sollten genauer angesehen werden. Das vergleichsweise hohe Fahrzeuggewicht und das unmittelbar verfügbare Drehmoment können sich je nach Fahrweise auf den Reifenverschleiß auswirken.
Bei einer Probefahrt sollten Käufer deshalb auf ungewöhnliche Geräusche, Vibrationen, einseitiges Ziehen und auffällige Fahrwerksgeräusche achten.
Auch die Fahrzeughistorie sollte nachvollziehbar sein
Wie bei jedem Gebrauchtwagen lohnt sich ein Blick in die Fahrzeughistorie. Wartungen, Unfallschäden und größere Reparaturen sollten nachvollziehbar dokumentiert sein.
Bei einem Elektroauto ist zusätzlich interessant, ob bereits Arbeiten an der Hochvoltbatterie vorgenommen wurden. Eine reparierte Batterie ist nicht automatisch problematisch, entsprechende Arbeiten sollten jedoch sauber dokumentiert sein.
Auch Ladekabel, Adapter und weiteres Zubehör sollten beim Kauf berücksichtigt und am besten im Kaufvertrag festgehalten werden.
Fazit: Zustand ist wichtiger als der reine Kilometerstand
Ein gebrauchtes Elektroauto kann eine sehr gute Möglichkeit sein, vergleichsweise günstig in die Elektromobilität einzusteigen.
Entscheidend ist allerdings nicht allein der Kaufpreis. Ein nachvollziehbarer Batteriezustand, eine zum eigenen Alltag passende Reichweite und eine vernünftige Ladeleistung sind oft wichtiger als ein besonders niedriger Kilometerstand.
Wer das Fahrzeug vor dem Kauf gründlich prüft und im Zweifel einen unabhängigen Batterie- oder Gebrauchtwagencheck durchführen lässt, kann auf dem Gebrauchtmarkt attraktive Angebote finden.
Quellen
ADAC – Gebrauchte Elektroautos kaufen
ADAC – Batteriecheck beim Elektroauto
DEKRA – Batterie-Schnelltest für Elektrofahrzeuge